Die Familie Furbach

Bausteine zur Geschichte derselben

Weihnachten 1897/98 Richard Furbach

Der Familienname Furbach ist gegenwärtig 119 Jahre alt.

Die Vorfahren der Furbachs führten den Namen Schmectius.

Am 2. Dezember 1778 trat Carl Albrecht Schmectius , früherer Offizier bei den Lucknerschen Husaren als Premierleutnant in preußische Dienste. ( Militär.). Die Rangliste pro Juni 1779 führt ihn unter dem Namen " Furbach " auf. Die Identität ist bezeugt durch Anerkenntnis der königlich-preußischen Geheimen Kriegskanzlei vom 9. Dezember 1845.

In dem Zeitraum vom 12. Dezember 1778 bis Juni 1779 hat also die Namensänderung stattgefunden.

Was bestimmender Anlass zu derselben gewesen, ist bisher nicht bekannt; alter Familientradition zufolge habe König Friedrich der II. ( der Große) die Namen auf -us nicht ausstehen können, auf seine Veranlassung sei die Namensänderung erfolgt.

Der Name ist genommen von dem Gut Furbach - etwa eine Meile nordöstlich von Duderstadt, welches Carl Albrecht Schmectius mit seiner Frau Justine Eleonore geb. Schütz mitheiratete.

Über die Vorfahren des Carl Albrecht Schmectius - später Furbach - schreibt dessen Sohn Wilhelm Carl Friedrich Furbach in seinem selbstverfassten Lebenslauf:

"Ich stamme aus einer alten adeligen Familie ab, die früher in Flandern und Brabant heimisch war. Einer meiner Vorfahren war der berühmte Smetius á Leda. Die meisten meiner Vorfahren haben sich den Wissenschaften gewidmet. Nur die schwierigsten und mühevollsten Untersuchungen ..... ( Anhang I).

Mein Großvater war Offizier in Braunschweigischen Diensten, wohnte der Campagne unter Prinz Eugen am Rhein bei und starb als Schlosskommandant zu Salzdahlem bei Braunschweig ".

Über letzteren, den Vater des Carl Albrecht Schmectius - später Furbach - ist bekannt, dass er Burchard Johann mit Vornamen hieß und in den Jahren 1736 - 1748 Sergeant bzw. Wachtmeister bei der fürstlichen Leib-Compagnie war. Am 4. November 1740 ließ er seine Tochter Sophie Elisabeth, am 19. August 1744 seine Tochter Anthonette Friedricia Carlolinine taufen.( Kirchenbuch der St. Trinitatis-Kirche zu Wolfenbüttel. ). Gevattern bei letzterer Taufe waren 1) Prinzessin Sophie Anthonette, 2.) Prinz Friedrich Franz, 3.) Hofmeister Carl von Eben.

Über die ältere Tochter ist nichts bekannt. 1810 muss sie bereits gestorben sein. Von der jüngeren, bzw. deren Kindern sind sechs Briefe an ihren Neffen Wilhelm Carl Friedrich Furbach aus den Jahren 1809 - 1812 vorhanden. Sie war an den Hofgärtner Frank verheiratet und lebte ( früher vielleicht in Bockenheim ) von 1809 bis 1812 in Offenbach. Seit 23. Februar 1812 fehlt jede Nachricht. ---( Anhang II ).

Ob Burchard Johann Schmectius außer diesen beiden Töchtern und den Sohn Carl Albrecht noch weitere Nachkommen gehabt hat - wahrscheinlich noch eine Tochter ? - ist bisher nicht ermittelt; desgleichen fehlt vorläufig jeder Nachweis über seine Gattin. Unter dem 28 Februar 1748 wird er Wachtmeister-Lieutenant in Salzdahlem; hier finden wir ihn noch 1761.

Über den Sohn Carl Albrecht schrieb Wilhelm Carl Friedrich Furbach in seinem schon genannten Lebenslauf:

"Mein Vater machte den siebenjährigen Krieg im Regiment Luckner als Offizier mit; hatte die Liebe des Herzogs Ferdinand erworben, von dem er nicht nur seine Equipierungsgelder, sondern öfters auch ein Pferd, wenn eins verloren war, geschenkt bekam. Nach dem Kriege, und da das Regiment reduziert wurde, etablierte sich mein Vater auf dem Eichsfelde, wo er mit meiner Mutter ein kleines Gütchen bekam. Nach deren frühen Tode ( 1768 ? ), übernahm er die englische Werbung in Frankfurt am Main und trat im Jahre 1778 in preußische Dienste als Premier-Lieutenant bei der Jäger-Compagnie von Spitznas, die er fast ganz angeworben, "

Wie das bereits angeführte Erkenntnis der königlich-preußischen Kriegs-Kanzlei vom 9. Dezember 1845 ergibt, gehörten die Lucknerschen Husaren im siebenjährigen Kriege nicht zum preußischen Heere, auch sind sie nicht unter die Freicorps der preußischen Armee gezählt worden.

Carl Albrecht Schmectius hätte also vordem in fremdländischen ( hannoverschen oder englischen ? ) Diensten gestanden.

Ferner geht aus dem Anerkenntnis hervor, dass Carl Albrecht Schmectius durch Kabinets-"Notification" d.d. Breslau 2. December 1778 auf Vorschlag des Chefs des Feldjäger-Korps zu Fuß, Oberst des Granges, mit einem Patent vom 2. Dc. 1778 als Premier-Lieutenant bei der Spitznaschen Jägerkompagnie allerhöchst angestellt sei.

Endlich, dass die Rangliste pro Juni 1779 den Carl Albrecht Schmectius, nunmehr Furbach, mit einem Alter von 45 Jahren, dem Vaterlande Braunschweig und dem Standquartier Mittenwalde aufführt. Laut Rangliste vom 22. März 1786 betrug sein Alter 52 Jahr.

Carl Albrecht Schmectius ( Furbach ) muss demnach Ende 1733 oder Anfang 1734 geboren sein, und zwar möglicherweise in Braunschweig, wo sein Vater z. Z. in Garnison gestanden haben könnte. In den Kirchenbüchern von Wolfenbüttel, Blankenburg und Salzdahlem( auch Garnisonsort des gen. Regiments ) soll ?? keine bezügliche Angabe zu finden sein.

Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges, und da das Regiment Luckner-Husaren reduziert wurde, schied Carl Albrecht Schmectius aus, heiratete Justine Eleonore, Tochter eines Dr. Schütz aus Harzberg a. Harz, und etablierte sich auf dem Eichsfelde, wo er bei Furbach ein kleines Gütchen mitheiratete.

Hochzeitstag war der 7. Juni 1763 ( Jahr ? ) Der Ehe entsprossten zwei Kinder, eine Tochter Rosine Johanna ( geb. etwa 1764 ) und ein Sohn Wilhelm Carl Friedrich, geb. 29. November 1765 zu Herzberg a. Harz. ( unweit des Dorfes Fuhrbach ). Früh starb die Gattin ( 1768 ), denn Wilhelm Carl Friedrich hat öfters erzählt, er sei bei dem Tode seiner Mutter zweieinhalb Jahre alt gewesen; sie soll in Gaterhof (Furbach) bei Furbach beerdigt sein.

Während der Sohn anscheinend bei dem Vater verblieb, scheint die Tochter in dem Hause der Großeltern aufgewachsen zu sein. Um das Jahr 1770 ging Carl Albrecht Schmectius ( Anhang III ) eine zweite Ehe ein mit Louise Ulrike von Mohrungen, wahrscheinlich in Wolfenbüttel. Aus dieser Ehe ging ein Sohn Carl Albrecht ( geb. 19. Januar 1773 ) hervor. Kirchenbuch der Hauptkirche St. Mariae in Wolfenbüttel.

Ob auch diese zweite Frau früh gestorben oder die Ehe irgendwie getrennt ist, ist nicht bekannt. ( Wahrscheinlich ist früher Tod, sonst hätte wohl die Beerdigung, Anhang IV, nicht so glatt erfolgen können. )

Der Sohn Carl Albrecht Schmectius lebte nicht bei seinem Vater, führt auch nie dessen späteren Namen Furbach - Anhang IV - und trat letzterer 1778 unbeweibt bei den preußischen Jägern ein.

Mit der Kompagnie von Spitznas machte Schmectius - nunmehr Furbach - den letzten Teil des bayrischen Erbfolgekrieges mit. Während der Winterquartiere 1778/1779 im Gebirge in der Gegend von Landshut - wohin der Sohn Wilhelm Carl Friedrich den Vater begleitete - finden nur kleinere Vorpostengefechte statt. Am 8. März 1779 wird Waffenstillstand geschlossen, im Mai der Friede von Teschen !

Von Carl Albrecht Schmectius - später Furbach - sind fünf Briefe an seinen Sohn Wilhelm Carl Friedrich aus den Jahren 1781 - 1793 vorhanden.

1781 befand sich Carl Albrecht Furbach auf Seuchenabsperrungskommando in der Priegnitz in Cuno/Kuhnow halbwegs Kyritz und Perleberg, am 28. Oktober 1781 in Dahlhausen, halbwegs Kyritz und Pritzwalk. ( siehe Brief an seinen Sohn ).

Ostern 1782 hoffte er wieder in Mittenwalde beim Bataillon zu sein. Kameraden, denen Carl Albrecht während seiner Dienstzeit näher gestanden hat, sind Oberstleutnant v. Voß, Leutnant Stollberg, Rötecken, Charrot und Jordan (Regimentsquartiermeister ).

Am 25. März 1786 erfolgte anlässlich seiner Invalidität seine Versorgung ins Forstfach.

Am 31. Juli 1786 finden wir ihn im Forsthaus an der Hansbeck, eine kleine Stunde von Holten ? an der Strecke Essen-Wesel als erster Förster der Klevischen Lande.

Mit seiner Stellung sehr zufrieden, schreibt er: Gegend, Wohnung, Gärten, Wälder seien ein irdisches Paradies. --- nur fühle er sich etwas einsam.

Am 7. Juni 1791 ist Albrecht Furbach auf Forsthaus Sterkrade ( 15 km nordwestlich von Essen, 4 km von Holten ), also wohl dieselbe Forst, vielleicht veränderter Wohnsitz.

Dorther datiert auch ein Brief vom 26. April 1793 inhaltlich dessen ein bedeutender Prozess in Hannover verloren gegangen ist. Mehrere Bekannte aus jener Gegend sind: Oberamtmann Weinhagen und Assessor Davidis in Dinslaken, Herr v. Haß und Bürgermeister Kapt. a.D. de Meurs in Holten, Familie Zimmermann und Westhoff in Sterkrade.

Im letzten Brief vom 22. September 1793 schreibt Albrecht Furbach aus Sterkrade, dass seine Gesundheit nachlässt, da er sich oft frisch, oft auch todmüde fühle und dass er beabsichtige, sich pensionieren zu lassen und seinen Ruhesitz bei seiner Schwester in Bockenheim bei Frankfurt a.M. - d. i. Anthonette, Friedericia, Carolinine Frank, geb. Schmectius ( später in Offenbach wohnhaft ) zu der er besondere Hinneigung hatte, da sie ihn einst in schwerer Krankheit aufopfernd gepflegt haben soll - zu nehmen.

Diesen Entschluss hat er indes nicht ausgeführt, wie besagte Schwester Frau Frank in ihrem letzten Brief an dessen Sohn vom 23. 2.1812 sehr bedauernd erwähnt.

Am 28. November 1797 soll Albrecht Furbach gestorben sein- ob in Sterkrade, was wohl möglich - ist nicht bekannt.

Die erwähnten Briefe, teils ernsten väterlich ermahnenden Tons, teils gut kameradschaftlichen, auch zum Teil humoristischen Inhalts, erscheinen Wert genug, in Auszügen wenigstens, den Nachkommen mitgeteilt zu werden; aus ihnen sich ein richtiges Bild von dem Carl Albrecht Schmectius, später Furbach, zu entwerfen, dürfte jedwedem unschwer sein. - Anhang V -

Der am 29. November 1765 zu Herzberg am Harz geborene Sohn Wilhelm Carl Friedrich Furbach verlebte seine Jugendzeit vielleicht ganz bei seinem Vater, der ihn wohl auch nach Frankfurt a. Main nahm. Jedenfalls begleitete er als 13-jähriger Knabe den Vater in die Winterquartiere des bayrischen Erbfolgekrieges 1778 - 79.

" Hier entwickelte sich "

- so schreibt er in seinem schon mehrfach erwähnten Lebenslauf -

" der Hang zum militärischen Leben. Mit Vergnügen erinnere ich mich noch der angenehmen Eindrücke, wenn ich des Nachts auf Vorposten mich befand, welches sehr oft geschah, des Knattern der Büchsenschlösser, wenn etwas Verdächtiges ankam.

Nachdem ich das Forst- und Jagdwerk erlernt (1781: Forstbeflissener in Damendorf ) trat ich 1784 im Monat März in Militärdienst bei dem Feldjägerregiment, wo man mich nach 6 Wochen zum ? Oberjäger machte. ( Am 2. 4. 1786 finden wir ihn daselbst als Junker ).

Mit Vergnügen erinnere ich mich dieser Zeit; eines gewaltigen Kampfes mit den Umständen und den Bedürfnissen meines Geistes, abgeschnitten von jeder Unterstützung, beschränkt auf mein Gehalt, welches monatlich 3 Taler betrug, oekonomisierte ich jedoch so gut, dass ich mir bedeutende Werke, z. B. " Beiträge zur Kriegskunst " etc. verschaffen konnte. Dieses Lieblingswerk war meine liebste Erholung, und ich habe manche Nacht dem Studium desselben geopfert. Damals sprach mich die Dichtkunst an. Ich suchte die Regeln der Metrik und die Grundsätze derselben zu erlernen, für mich schwierig, da meine Umgebungen in einen prosaischen Schlaf verfallen zu sein schienen. Ich lernte militärisch zeichnen, erstand ein Instrument, womit ich mich unterfing, Gegenden aufzunehmen und so mangelhaft solches auch war, so brachte ich durch eisernen Willen dennoch etwas hervor, was später den Beifall des leider zu spät für meine militärische Laufbahn als Kommandeur eintretenden Oberst v. York erhielt, wie beiliegendes Schreiben bekundet ( fehlt ).

Verlassen von jeder geistigen Unterstützung unternahm ich es, mich in das Gebiet der Philosophie zu vertiefen. Damals galt Wolf noch etwas, ich studierte eifrig dessen Werke, unternahm es, französisch und englisch, auf eigene Kräfte gestützt, zu erlernen. Mit dem festen Vorsatz, dass keine Scibilas ? des menschlichen Wissens mir unbekannt bleiben sollte, suchte ich mich mit der Mathematik und derjenigen Wissenschaft, welche die Wirkung der Naturkräfte und deren Gesetze beschreibt, in Kenntnis zu setzen.

So ausgerüstet, wohnte ich dem Marsch nach Schlesien bei ( wohl damals als Joseph der II. den Ländertausch mit Bayern vorhatte ) den die Convention bei Reichenbach fruchtlos für uns Offiziere, wozu ich im Jahre 1786 am 27. Juni ernannt wurde, machte. Ich teilte die Betrübnis meiner Kameraden über dies Ereignis, weil die Aussicht zum allgemeinen Frieden alle Hoffnung zum weiteren Avancement zu benehmen schien.

Aber bald erscholl die Kriegstrompete. Wir marschierten voll Muts, Frühjahr 1792, und froher Hoffnung nach dem Rhein, passierten bei Coblenz denselben, drangen in die Champagne ein, wo ich Gelegenheit hatte, dem Gefecht Fontoi(19. August 1792) und der Kanonade bei Walmy beizuwohnen. Gesund und mit jugendlicher Kraft gewann ich wieder auf dem Rückzug Coblenz, hauste bei den Mönchen auf der Karthause ( November 1792 ) 6 Wochen und ließen uns von diesen guten Leutchen recht gut pflegen, welches sie gern taten, weil sie unter dem Schutze unserer Burschen sicherer als bei anderen Truppen zu sein wähnten.

Im Frühjahr 1793 wurde ich zur Compagnie von Tümpling nach Bieberich versetzt. Dieser Posten lag entfernt von Castel; die Jäger hatten darin mit vieler Vernachläßheit ihre Winterquartiere benutzt. Es waren schlechte Anstalten getroffen. Ich überblickte die veränderte Lage. Die Armee war über den Rhein bei Bacherach gegangen, einige kleinere Corps von Preußen, Sachsen und Hessen deckten die rechte Seite des Rheins, sämtlich nicht so stark, als die kriegerische Besatzung von Mainz. Zuerst untersuchte ich die Verteidigungsmittel und zeigte deren Mangelhaftigkeit dem Kommandanten des Ortes, Major v. Spitznas, einem übrigens sehr braven Offizier, an. Man wies mich etwas rauh zurück. Es war am 9. April, als die Franzosen sehr stark an unsere Vorposten herandrängten und zu parlamentieren suchten. Weiter in der Ebene nach Castel sah man sie in der Gegend des sächsischen Lagers in der Erde wühlen. Dem Major v. Spitznas fiel diese Lebhaftigkeit auf, und da ihm vielleicht der rauhe Ton leid tat, den er einige Tage zuvor gegen mich bei meiner gutmütigen Äußerung angenommen hatte, so übergab er mir sein Fernrohr, um vom Dach der Kurfürstenmühle, dem einzigen erhöhten Punkte in der Gegend, zu untersuchen, was das Gegrabe in der Ebene wohl zu bedeuten habe.

Ich entdeckte den Plan des Feindes; ich stattete folgenden Bericht ab:

Der Feind schneidet sich in der Gegend des sächsischen Lagers ein, er wird dort Geschütze aufführen, um jeden Angriff von dort zurückzuweisen. Er wird dort seinen rechten Flügel anstützen, er wird mit dem linken über Bieberich und Moosbach operieren, er will das hessische Lager in die Flanken nehmen und uns nach dem Main zurückwerfen.

Der Major nahm meinen Bericht mit Aufmerksamkeit an; die Verteidigungsanstalten wurden erweitert; den Jägern die Kurfürstenmühle zum Sammelplatz angewiesen. Die Mühle selbst und die nicht weit gelegene Armenruh Mühle mit verstärktem Detachement besetzt und so nahte der 11. April 1793 heran.

In dieser Nacht war die ganze Mainzer Besatzung bis auf die nötigen Wachen aus Mainz marschiert; geführt von ihren geschicktesten Generälen Dubayet und Kleber, hatte Kostheim überrumpelt, die Besatzung erschlagen, die hessischen Schanzen oberhalb Moosbach erobert und drang jetzt in einer Kolonne von 10 000 Mann unter dem später so berühmten General Kleber auf die Kurfürstenmühle vor, wo ich diese Nacht die Wache hatte. Seine Absicht war, diesen Posten zu nehmen, über Moosbach zu marschieren und die Höhe zu nehmen, die von uns besetzt war. Mein Glück war größer, als das des französischen Feldherrn. In der Entfernung von ungefähr 30 Schritten konnten meine Jäger die ersten Salven auf die im Trabe herbeieilenden feindlichen Grenadiere geben. Es stürzten mehrere; der Feind drang ungeachtet dieses Verlustes rasch bis an den Mühlengraben vor, der revetirt war, aber nur eine Wassertiefe von 1 Fuß hatte. Hier ereignete sich ein Umstand, der ans Wunderbare grenzt. Auf der südlichen Seite hatte der Feind von der Petersaue ein Stück der Mauer, womit die Mühle umschlossen ist, eingeschossen; ein kleines Detachement Jäger war in der Eile hinter den Mauerbruch gestellt. Die feindlichen Grenadiere drangen dort hinein, töteten und verwundeten einen Teil dieser Leute; die übrigen retirirten sich mit Geräusch durch den offenen Torweg, der im Rücken meines Detachement lag. Dieses verursachte ein Terreur bei meinen Leuten, und alles suchte die Obstbäume zu erreichen, die unten rückwärts lagen.

In großer Verzweiflung über mein Schicksal stellte ich mich außer dem leichten Revetement, welches hinter der Brücke aufgeführt war, und erwartete meinen Tod. Aber in diesem Augenblick befiel die feindliche Partei gleichfalls ein gewisser Schreck. Alles stürzte sich auf die folgenden Bataillons, die in Kolonnen heranrückten, und brachte auch solche in Derruto ? Um diese Zeit erhielten wir Kanonenfeuer von der Hessischen Schanze, welche der Feind erobert hatte und der Petersau. Ein unvergessliches Schauspiel ! In der Ferne hörte man Trommeln und Stimmen, welche Truppen ordneten. Darauf defilierten 2 Bataillone Elsäßer über die vordere unabgebrochene Brücke, zogen sich rechts von der Chaussee heraus und griffen eine Flesche ?, die mehr links von der Mühle lag, mit dem Geschrei: Siegen oder Sterben ! an.

Eben war ein Detachement aus Bieberich angekommen; ich benutzte dasselbe, die Flesche damit zu besetzen. Durch das Feuer dieser wenigen Leute wird der Feind abgehalten, den Bach zu passieren. Zusammengedrängt zwischen dem Mühlenbach und einem kleinen Abzugsgraben verlor derselbe ungefähr 40 Leute, die er uns zurückließ, und auch das Pferd des kommandierenden Generals lag tot neben der Brücke.

Dieser Angriff misslang, die feindlichen Bataillons stürzten sich in Unordnung durch den Abzugsgraben der Mühle zurück, und hiermit scheiterte das ( geniale ? ) Projekt des Feindes, das, wenn es nach der Disposition des feindlichen Feldherrn ausgeführt worden wäre, von nicht zu berechnenden Folgen für den Feldzug geführt hätte.

Ich war bestimmt, den Rapport von diesem Gefechte ins Hauptquartier nach Hohheim zu bringen. ( Vielleicht wäre der Lohn für meine Anstrengungen mir nicht entgangen ). Allein, indem ich mich dazu anschickte, kam General Schönfeld mit seiner Suite nach Bieberich, lobte insgemein unsere bewiesene Tapferkeit, schilderte die Gefahr als leicht und hat in gleichem Ton auch wohl seinen Bericht abgestattet, um seinen übergroßen Fehler zu maskieren; zudem war er kein Freund von dem braven Spitznas, weshalb diese Affäre aus der Kriegsgeschichte verschwunden ist.

Diese glänzende Affäre hat mir nichts eingebracht als das Wohlwollen und die Achtung des Kommandeurs. Als einen Beweis dafür führe ich an, dass er mich später, ungeachtet ich erst Second-Lieutenant war.zum Kommandeur seiner Compagnie erbat.

Auf Befehl des Kommandeurs befestigte ich Bieberich und marschierte am 26. Juli 1793 mit der Compagnie v. Tümpling nach Kaiserslautern zum Observationsheer. Es gab dort keine Gelegenheit zu großen Taten.

Der Angriff auf Moorlautern unter General von Möllendorf gab mir im folgenden Jahre, 1794, Gelegenheit, nützlich für die Armee zu wirken. Mit der Avantgarde war ich bis zum Miespolsteinerhof vorgedrungen. Hier sprengte der Adjutant ( später General ) von Krusemark heran und forderte Instruktion, um die Franzosen von der Schanze zu vertreiben, welche in der vorbeidefilierenden Kavallerie einigen Schaden getan hatte.

Ich nahm meinen Zug Jäger, bat aber, noch 2 Zug Füsiliere beizufügen, damit ich die Schanzen mit dem Bajonett angreifen könne. Angekommen an dem Punkte, fand ich niemand von dem Feinde vor. Endlich näherte sich ein Bauer und trug vor, auf dem Hofe befänden sich ungefähr 50 Mann Franzosen; sie wollten sich gefangen geben, wen ihnen nichts zu leide getan würde. Ich versprach dieses, und indem ich im Begriff war, die Umstellung des Hauses zu vollenden, sprengte obiger Adjutant heran und sagte, dass ich meinen Marsch zum General Rüschel beschleunigen solle, weil dessen Jäger sich verirrt hätten. In dem Moment, wo ich mich mit dem größten Teil meines Detachements in Bewegung setzte, stürzte von der Höhe ein Bataillon Franzosen herunter; herumliegende Marode, denen dies Schauspiel unerwartet kam, feuerten ihre Musketen auf diesen Haufen ab, der sich hierauf zerstreute: der größte Teil ergab sich den mir nachziehenden Füsilieren, deren Kommandeur, der Lieutenant von Stern den andern Tag den Orden bekam. Einige fielen meinen Jägern in die Hände, die solche den Füsilieren übergaben.

Auf meinem Marsche begegnete ich dem Herrn v. Krusemark wieder, er war in Begleitung des Baron v. Glaubitz vom Dragonerregiment von Voß; ich stattete ihm meinen Bericht ab. Er wollte eben meinen Namen in sein Tagebuch schreiben, als der Baron v. Glaubitz ihm versicherte, dass er mich sehr gut kenne. Die Ankunft des General Rüschel ? bestimmte mich gegen Lippstadt zu eilen, wo ich 3 Tage unter mancherlei Entbehrung dessen Vorposten formieren musste.

Mein Anteil an den Schlachten von Kaiserslautern am 23. Mai 1794 und Pirmasens war unbedeutend. In ersterer standen wir auf dem linken Flügel von Lippstadt, in letzterer entdeckte ich zuerst den Feind bei Bierbare unweit Blieskow=oha.? Es gab nur einiges Geplätze ohne Resultat.

Ich schweige über unsere kleinen Scharmützel, denen ich im Laufe dieses Feldzuges beigewohnt habe, sie waren unbedeutend. Das Wichtigste fiel im Annweiler Tale vor. Man hatte uns bei Reutheil aufgestellt. Man hatte Einschnitte in einen Berghang gemacht, der von einer gegenüberliegenden Höhe dominiert wurde. Der Feind ermächtigte sich solcher und schoss uns in unseren Einschnitten zusammen. Der Feind war klüger als wir. Die Sache fiel schlecht aus. Ich erinnere mich noch, dass, als ich die im Dorfe stehenden zwei Züge Jäger zurückweichen sah, ich die Höhe heruntersprang, die Züge wieder vorwärts brachte, gleich darauf die Höhen wieder erkletterte, die im Zurückzuge begriffenen Jäger wieder vorwärts brachte, und die Einschnitte wieder gewann. In diesem Moment, wo ich etwas laut war, schlug ein Peleton Tirailleurs auf mich an. Die Entfernung war etwa 50 Schritt. Ein kleiner Baum, den ich mit zwei Sprüngen erreichte, rettete mein Leben. Mein Capitain v. Tümpling bekam aber einen Schuss in den Fuß, und mehrere Jäger wurden verwundet. Der Feind hatte in dieser Zeit den Felsen, der uns zur rechten Hand lag, erstiegen, und die Position war nicht zu halten. Die Anstalten waren überhaupt sehr schlecht gemacht.

Die Winterquartiere 1794/95 am Rhein waren auf unserer Seite ganz ruhig. Strapazen und Anstrengungen mancher Art hatten hatten mir eine Krankheit zugezogen, auch mein damaliger Compagnie-Chef, der brave Spitznas ward krank und starb ( vor dem 16. 12. 1795 ) in Marburg, in dem Orte wo er geboren war.

Damals machte ich die Erfahrung, wie sehr ein kräftiger Wille auf die kranken Gefühle wirken kann. Ich war sehr krank. Das Regiment sollte nach Westfalen ziehen. Man persuadierte mich, in Frankfurt zurückzubleiben. Nein, sagte ich, ich verlasse die Compagnie nicht. Ich will nicht krank sein. Mit eisernem Willen, dieses nicht zu sein, setzte ich mich zu Pferde, und die Krankheit wich.

Der Krieg war zu Ende. Avancement hatte er nicht viel hervorgebracht; ich war der dritte Premierlieutenant geworden. Das ( geschäftslose ? ) Garnisonsleben erwartete uns.

Bald wurden zwei Jäger-Compagnien, die früher ins Anspach gestanden hatten, dem Regiment einverleibt. Die Offiziere waren junge Leute, Söhne der Optimaten jenes Landes. Ihre Patente waren älter als das meine. Dieses und da ich doch Folgen der letzten Krankheit bei mir spürte, bewog mich, auf meine Notierung aus dem Militär zu denken.

Ich machte mein Examen als Forstmann und man war sehr zufrieden mit meinen Kenntnissen. Bald hatte mich aber dieser Schritt gereut. Der König sandte 1800 den braven Oberst York, jetzt Feldmarschall, als Kommandeur zum Regiment. Dieser Heros gewann mich lieb. Ich bewahre als Reliquium noch folgendes Schreiben von ihm ( fehlt ).Indes mein Los war geworfen, ich bekam einen Landjägerdienst in Pommern mit meiner jetzigen Frau verheiratet, bekam ich einiges Vermögen und sie gebar mir 10 Kinder, wovon jetzt noch acht leben. Von jetzt an weihte ich ganz dem Forstdienst und fühlte mich glücklich in meiner häuslichen Umgebung bis zum Jahre 1806.

Die Nachricht von dem unglücklichen 14. Oktober erfüllte uns alle mit Schrecken. Meine militärischen Kenntnisse ließen vielleicht auf den Verlust der Armee schließen. Ich eilte nach Stettin, um dort näher unterrichtet zu werden. In Augustenwalde - 2 Meilen von Stettin - fand ich meine Lieblinge: das braune Husarenregiment, früher durch seine außerordentliche Bravour in der Armee bekannt. Der ehemalige Fürst von Pless, jetziger Herzog von Anhalt-Caltren, kommandierte es. Ich war Sr. Durchlaucht schon aus den Feldzügen und bei meinem Aufenthalt in Schlesien bekannt geworden und von demselben sehr human behandelt worden; auch mehrere meiner alten Kriegsgefährten erblickte ich dort.

Das Regiment war in sehr schlechtem Zustande, die Pferde fast nicht mehr aus dem Stalle zu bringen. Da ich in Stettin die Nachricht von der Kapitulation des Hohenloh´schen Korps erhalten hatte, ersuchte ich den Fürsten, Patrouillen gegen Greifenhagen und Schwedt zu senden, um die Übergänge des Feindes an diesen Orten zeitig genug zu erfahren, mit seinem Regiment aber eine Position hinter der Ihna zu nehmen. Der Fürst erwiderte aber, dass es unmöglich sei, das Regiment in ein paar Tagen zu bewegen.

Hätte Stettin sich länger gehalten, so konnte vielleicht dieses Regiment ein Sammelpunkt der häufig kommenden Gefangenen werden. Stettin ging aber zu bald über und der Rückzug des Regiments war unvermeidlich. Ich teilte meine besten Karten dem Regiment mit. Von jetzt ab darauf bedacht, alles hervorzusuchen, was das Unglück des Staates mindern könnte, und voll hoher Liebe gegen meinen König, dem und dessen Vorfahren ich einige zwanzig Jahre gedient hatte, achtete ich nicht die Besetzung meines Wohnhauses durch die Franzosen.

Mit einem Geldvorrat versehen, begab ich mich an die Örter, wo scharenweise die selbst engagierten Pommern durchwanderten. Diese Leute hatten die Überfahrt bei Greifenhagen gemacht und den Walddistrikt des Friedrichswalder Forst benutzt, um den wachsamen Franzosen, welche alle Orte besetzt hielten, zu entgehen. Ich leerte meine Taschen an diese unglücklichen Krieger aus, und nötigte ihnen das Versprechen ab, den König und die Armee aufzusuchen und als brave Soldaten die Schmach zu rächen, die dem preußischen Namen widerfahren wäre. Viele gelobten dies. Ich erinnere mich eines Mannes aus Wesel, der wie ein zweiter Herkules am Scheidewege stand. Er war unentschlossen, ob er nach seiner Heimat zurückkehren, oder der Armee folgen sollte. Ich drückte ihm einen Taler in die Hand und sagte: " Verlass Er seinen König nicht, dem er geschworen hat, so wird ihn Gott auch nicht verlassen. " " Gut ",sagte er, " der König hat mir und meinem Vater Brot gegeben, ich folge ihm ", nahm seinen Tornister auf den Rücken und wanderte nach Preußen.

Um diese Zeit schrieb ich an Sr. Majestät nach Cüstrin. Ich schlug demselben vor, seiner schweren Reiterei wieder Kürasse zu geben, die man derselben leichtsinnig genommen hatte, und der Infanterie Flintenkartätschen austeilen zu lassen, die, wie ich mich aus Strielke erinnerte, bei der Belagerung von Schweidnitz große Dienste geleistet hatten. Ich weiß nicht , ob dieses Schreiben Sr. Majestät in die Hände gekommen ist, aber die schwere Reiterei führt jetzt Kürasse. Es war ein patriotischer Erguss. Ich wollte gerne helfen.

Es war dies ein unglückliches Jahr für mein Haus. Durch die Güte und Menschenfreundlichkeit des nicht genug zu lobenden Oberforstmeisters von Bülow, eines Mannes von herrlichem Gemüt und großer Rechtlichkeit, war uns der Schutz einer Sauve-Garde geworden, aber auch diese verließ uns nach einem Monat und seitdem war mein Haus nie leer von feindlichen Soldaten. Krankheiten rissen in meiner Familie ein. Sorgen und Kummer legten mich aufs Krankenlager. Von meinen vier Kindern starb mein zweiter Sohn; meine übrigen Kinder lagen an Scharlachfieber schwer danieder. Anstrengungen und Angst warfen auch meine eheliche Gefährtin aufs Krankenlager, dabei behielten die ungestümen Anforderungen der einquartierten Feinde ihren Fortgang. Ich verlor in diesem Jahr einen bedeutenden Teil der Illate meiner Frau.

Meine Krankheit und das Unglück in meiner Familie hinderten mich, tätigen Anteil am Kriege zu nehmen. Herr von Hirschfeld errichtete ein Korps in meinem Wohnorte, der auf einige Zeit vom Feinde verlassen war. Ich gab ihm mein einziges Reitpferd, meinen vierjährigen Polacken, den Herr v. Hirschfeld sich als sein Reitpferd zueignete. Ich suchte ihn zu vermögen, sich mit Schill zu vereinigen, welches er aber abschlug. Der Zug ging fröhlichen Mutes nach Bahn, von wo das Korps wohl montiert zurückkam. Ich schlug ihm vor, sich auf die Straße von Küstrin nach Landsberg zu stellen, welches er auch annahm. Es ging ihm unglücklich, weil er nicht vorsichtig genug war. Um diese Zeit vermehrte ich das Schill´sche Jägerdetachement mit 2 Büchsen, ganz vorzügliche Gewehre.

Der Friede ( zu Tilsit 1807 ) war geschlossen, aber unsere Last nicht gemildert; besonders wurde mein Haus belastet. Die übergroße Belästigung vermochte den Oberförster v. Bülow die Gegend zu verlassen und ich befand mich dadurch alles Trostes und aller Unterstützung beraubt.

In dieser Zeit besuchte mich mein verehrungswürdiger Freund, der Major vom Generalstabe, jetzt Generalleutnant v. Valentini. Es war ein sehr großer Genuss, diesen vortrefflichen Mann wiederzusehen. Wir waren als Regimentskameraden sehr liiert gewesen und hatten uns wechselweise in unseren Studien unterstützt. Er hing mit wahrer Freundschaft an mir. Es war wieder ein Strahl des Lebens, der mein trauerndes Haus mit dem Schicksal versöhnte. Wir waren beide mit Liebe und hoher Achtung für unser Herrscherhaus beseelt und konnten öfters einige Bitterkeit gegen unsere Presser nicht zurückhalten.

In diesem Zeitraum ( Frühjahr 1809 ) verließ Schill Berlin und eine Anzahl Preußen, geleitet durch ihre Liebe zu ihrem König und Vaterlande, folgten seinem Zuge. Die Sache fiel unglücklich aus, und die braven Männer bekamen das harte Schicksal in die Galeeren geschmiedet zu werden. Mir kam in den Sinn, diese Leute zu befreien, oder ihnen doch ein günstigeres Los zu erwerben. Da die Kaiserin jetzt schwanger war, entwarf ich ein Gedicht im Namen der Mütter und Bräute dieser Unglücklichen, und übersandte solches dem Minister v. Hardenberg mit folgendem Schreiben. Nach einiger Zeit bekam ich folgende Antwort vom Minister ( fehlt ). Es ist mir unerklärbar, wie es dem Minister unbekannt war, dass wirklich von diesem Zeitpunkt an ein milderer Stern aufgegangen war. Sämtliche zum Kriege Unbrauchbaren waren entlassen, aus dem Überrest war ein Pionier-Regiment auf der Insel errichtet. Dieses haben mir alle diejenigen erzählt, die später aus der Gefangenschaft kamen. Ich fand meine Belohnung in dem mitgeteilten Schreiben des großen Ministers, lasse es als Reliquie meinen Kindern. ( Rom teilte bei dergleichen Gelegenheiten Bürgerkronen aus ). Das Jahr 1812 erschien, die französischen Kolonnen näherten sich meiner Wohnung wieder, die nunmehr in der Gegend Ückermünde lag. Der rapide Gang des Krieges ließ das Ungemach desselben vergessen. Eine eigene Erscheinung war es, dass keiner dieser Krieger glaubte, der Marsch ginge gegen Russland. Aus mehrerem blühte die Begierde nach dem letzten Mark Preußens. Das Schicksal änderte die Sache und unsere Befürchtungen. Eine allmächtige Hand leitete eine andere Ordnung der Dinge ein.

Ein Zufall machte, dass ich in diesem Zeitraum einigen wenigen Braven nützlich sein konnte. En Detachement der Hirschfeld´schen Korps hatte unweit meines Wohnortes eine Baden´sche Patrouille überrascht und einen Mann derselben, einen gewissen Preußing, gänzlich verstümmelt. Aufgefordert von dem Oberforstmeister von Bülow begab ich nach dem bezeichneten Ort. Ich fand einen jungen schönen Mann, nackt, ganz im Blute, durch viele Hiebe verwundet. Die Menschlichkeit gebot, mich des Unglücklichen anzunehmen. Nachdem ich ihn mit etwas Wein erquickt, so gut es geschehen konnte seine Wunden verbunden hatte, bedeckte ich ihn mit meinem Mantel und sandte ihn der ersten feindlichen Besatzung in Damm zu. Ich betrachtete die Sache als unbedeutend, da solche ein bloßes Werk der Menschlichkeit war, die jeder andere gute Mensch ebenso wie ich ausgeführt haben würde. Wie groß war daher die Verwunderung, als ich folgendes Schreiben von General Schraverdt, Gouverneur von Stettin, erhielt...( fehlt alles ).

Die Sache war längst vergessen, die feindlichen Truppen kamen aus Preußen zurück: auf einmal sehe ich vor meiner Thür einen Haufen badischer Offiziere, die diesen Preußing in der Mitte hatten. Man stellte mir den Preußing als völlig genesen dar und ergoss sich in Lobeserhebungen über diese Tat. Der Preußing erwies später seine Dankbarkeit dadurch, dass, als er in diese Gegend auf Exekution kam, er von keinem Menschen eine Belohnung annehmen wollte.

Nach Jahresfrist erhielt ich folgendes Schreiben von dem Generaladjutanten Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden: (fehlt).

Ich glaube diese Gelegenheit benutzen zu müssen, um den Mut der Truppen zu besteuern. Ich übersandte dem General v. Blücher diese Summe und bat solche dem tapfersten Soldaten der Colberger Besatzung als ein Anerkenntnis der Nation wegen ihrer bezeugten Bravour zu übergeben. Ich glaubte eine Ilias zu hören, allein es fehlte ein Homer. Durch den General v. Bülow erhielt ich ein langes Verzeichnis, nebst Benennung der Taten; allein es war kein Hektor unter ihnen; ich disponierte für einen, der einmal disponiert werden musste. Sämtliche Verhandlungen besitze ich noch im Original ( fehlt ! ). Allein man muss aus einer Sache soviel Gutes ziehen, als man eben kann. Ein Freund, der jetzige Oberförster Loose war in Gefangenschaft geraten. Ich bat den Großherzog diesen Mann durch sein mächtiges Fürwort zu befreien; und der Mann kam zu seiner und meiner ungehörigen Freude nach ein paar Monaten glücklich zurück.

Hier endigen die Aufzeichnungen.

Noch eine Notiz, das Jahr 1792 betreffend, sowie das Konzept eines umfangreichen Schreibens an den Major C.P.Gumtau, Verfasser des Buches " Die Jäger und Schützen des preußischen Heeres vom Jahr 1834 " ist vorhanden ( Anhang VI ). Im übrigen sind nur eine größere Anzahl Briefe von Kameraden und Vorgesetzten aus dem Forstfach aus den Jahren 1794 - 1833 erhalten. Da sind vornehmlich Schreiben von Valentini I ( 1801 ) von Valentini II ( 1800 - 1832 ), von Kalkreuth ( 1799 - 1816 ), von Seydlitz ( 1800 - 1812 ), von Davier ( 1811 ), von den Jägern und von Georg Gorretzki vom braunen Husaren-Regiment, auch von Oberst von Voß ( 1801 ) sowie vom Oberlandforstmeister von Beymes.

Die Briefe zeugen alle von gegenseitiger hoher Achtung, meist auch von überschwänglicher Freundschaft. ( Ein Schreiben Gorretzkis, siehe auch des historischen Teils wegen Anhang VII.

Mit Valentini II, welcher auf Anregung Yorks militärisch schriftstellerte, korrespondiert Friedrich Furbach namentlich im Jahre 1800 äußerst eifrig über militärische Fragen.

Valentini sandte seine Arbeiten und forderte das ihm unendlich wertvolle und strenge Urteil Furbachs. Geringenteils sind die Briefe auch philosophischen Inhalts; oft wird Dank für Aufschlüsse im Studium der Trigonometrie und im Planzeichnen erwähnt.

Die Briefe der übrigen Kameraden und Duzfreunde sind reine Freundesschreiben, namentlich auch jene von George von Gorretzki, welche die geschäftsmäßige heutige Zeit geradezu für unmännlich zu halten wohl geneigt sein dürfte. Simon von Valentini I war 1828 Kommandeur des reitenden Feldjägerkorps; v. Valentini II, seinerzeit als Major im Generalstabe, Lehrer des Kaisers Wilhelm I in der Taktik, 1828 Generalleutenant; v. Kalkreuth 1812 Major im Garde-Jägerbataillon; von Davier fiel 1813 als Kapitain im Garde-Jägerbataillon; von Seydlitz, seinerzeit Adjutant bei York, 1828 Generalmajor und Kommandeur der 8. Infanteriebrigade.

Aus den Briefen geht im Besonderen Folgendes hervor:

Am 3. April 1793 befand sich Friedrich Furbach in oder bei Bieberich; am 22. September 1793 bei Landau; 1794 hat der er " auf der mühevollen Retraite " einen schweren Sturz mit dem Pferde getan, auch entlief ihm der Bursche mit dem Handpferde. Am 10. Dezember 1794 wird Friedrich Furbach zum Premierleutnant befördert.

Nach dem Feldzuge hält er sich längere Zeit in Pleß und Umgegend auf, woselbst viele befreundete Familien namhaft gemacht werden. Demnächst finden wir ihn in der Leobschützer Gegend. In seiner Garnison Mittenwalde verfertigt er eine recht brauchbare Karte der Umgegend.

Am 21. Februar 1796 will er in seine neue Garnison Beelitz abmarschieren, woselbst er während seiner weiteren Militärdienstzeit verbleibt. Aus hierher gerichteten Briefen geht hervor, dass Furbach sehr mannigfache Studien mit rastlosem Eifer fortsetzte. Am 14. Juni 1800 schrieb v.Valentini II: " Bei jedem Ihrer Briefe finde ich immer mehr Veranlassung zu bedauern, dass Ihre fernere Laufbahn uns die Früchte Ihrer Kenntnisse und Ihres Diensteifers entzieht. Beide Eigenschaften miteinander verbunden - dies ist in unserem Regiment eine so große Seltenheit, dass der Verlust eines Kameraden, bei dem dieses glückliche Zusammentreffen sich findet, demjenigen, dem die gute Sache am Herzen liegt, nicht gleichgültig sein kann. "

Den Entschluss, den Militärdienst zu verlassen, muss Friedrich Furbach - den Briefen zufolge - schon seit Jahren gefasst haben.

Im Jahre 1800 legte er das erforderliche Forstexamen ab. V. Valentini erwähnt hierüber in einem Brief vom 6. Oktober 1800: "Die Versicherung von Personen, denen Sie, bester Freund, ganz unbekannt sind, dass die Examinatoren von Ihren ausgebreiteten und gründlichen Kenntnissen äußerst günstig urteilen, ist mir nicht befremdend, bei einem solchen Fleiss und einem Talent, wie dem Ihrigen, war kein anderer Erfolg zu erwarten ".

Am 21. März 1801 - der Kanzlist pro Januar d. J. führt ihn übrigens aus Hannover stammend auf - geht Furbach vom Militärdienst zum Forstfach über; die Gründe seines Abganges besagt der vorstehende Lebenslauf; im besonderen fühlte er sich auch zurückgesetzt wegen der Affaire an der Kurfürstenmühle bei Mainz. ( siehe Anhang VI ).

Er bekam den Landjägerdienst ( Oberförsterei ) Friedrichswalde bei Stargart in Pommern, am 20. 10. 1801 zu Köpitz; Im nämlichen Jahre verheiratete er sich mit Caroline Friederike Louise Leverenz, der einzigen Tochter des Pfarrers Christian, Gotthilf Leverenz, geb. 9. 4. 1780 zu Köpitz bei Stepnitz.

Anmerkung: Christian Gotthilf Leverentz, geb. 7. 4. 1747 zu Neuwark, Sohn des Predigers zu Neu- und Altwark, Johann Friedrich Leverentz und der Anna Sophie Henrici , heiratet 1775 Regina Dorothea Krüger, Tochter des Bürgermeisters Krüger zu Neuwark und der Regina Maria Koltthof; wird 1775 Prediger zu Köpitz, Garserin und Schwaliwitz. Christian Gotthilf L. starb am 3.12. 1805, Regina Dorothea Krüger geb. am 9. Juli 1749 zu Neuwark, starb am 3. 1. 1804..

Fritzchen schenkte ihm im Laufe der Jahre 10 Kinder ( 4 Söhne und 6 Töchter ).

Am 2. 5. 1802 ist jener auch im Anhang VI erwähnte Brief der Kameraden nach Friedrichswalde gerichtet, in dem v.Seydlitz und v.Valentini zur Richtigstellung der Begebenheiten an der Kurfürstenmühle in der Nacht vom 11. 4. 1793 auffordern.

1810 siedelt Furbach nach der Oberförsterei Ahlbeck bei Uckermünde über. 1817 wird er Inspektonsoberförster, darauf Forstinspektor.

1821 erwarb Furbach das Ahlbecker Forstetablissement.

Ein Schreiben des späteren Oberpräsidenten der Provinz Pommern Sack vom 17. November 1821 sagt darüber:

" Bei der mehrmaligen Äußerung Ihres Sohnes, dass die Sicherung Ihres Dortbleibens in der Erwerbung Ihres Etablissements dazu wesentlich beitragen werde, kann ich mir das Vergnügen nicht versagen, Ihnen vertraulich zu melden, dass nach dem soeben eingehenden Rezept des Königlichen Finanzministers vom 30.Oktober cr., Ihnen der Zuschlag zu dem Ankauf des dortigen Forstetablissements für 4. 500 Thlr. und ohne Grundsteuer erteilt ist. Mein Wunsch ist nun, dass solches Ihnen und den Ihrigen in jeder Hinsicht wohltätig und ersprießlich sei und Sie insbesondere noch lange in bisheriger, so pflichtgemäßer Tätigkeit dadurch bestärkt werden

Aus dieser Zeit rühren mit dem Oberforstmeister v. Bülow gemeinsam angestellte Untersuchungen über Wespen, namentlich über Schlupfwespen her, welche die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten erregen.

1823 erhält Furbach den Titel Forstmeister.

Au dem Jahre 1826 ist ein Dankesschreiben des Oberpräsidenten von Pommern, wirklichen Geheimen Rats, Sack wegen gelieferter Beiträge zur pommerschen Geschichte und Altertumsforschung vorhanden.

1831 erhält Furbach den roten Adlerorden, auch wird er Mitglied der naturforschenden Gesellschaft in Pommern.

Um diese Zeit erhält Furbach die Forstmeisterstelle in Caseburg bei Swinemünde; er kränkelt. Auch eine Schrift über die Cholera und deren Abwehr scheint aus dieser Zeit zu stammen.

1832 läßt sich Furbach nach 50-jähriger Dienstzeit pensionieren; er zieht wieder auf sein Besitztum in Ahlbeck, woselbst er am 10. Juli 1836, 6 ½ Uhr an einer Brustkrankheit verstarb.

Ein reichbegabtes Leben sank ins Grab ! Noch manches ließe sich berichten und den Nachkommen übermitteln, doch dürfte das Angeführte schon hinreichend sein.

Als mein Vater seiner Zeit mir die alten Schriftstücke gab, fügte er hinzu:

"Du wirst nach allmählichem Durchlesen derselben ein ganzes Stück Familiengeschichte durchgegangen sein, was immer für Dich von Nutzen sein wird. Vorzüge und Nachteile vererben sich häufig. Ob etwas unruhiges Blut, leichte Gekränktheit, etwas Veränderungssucht bemerkbar ist, musst Du beurteilen und eventuell für Dich die Lehre ziehen ".

Als Vormund für die minorennen Kinder hatte Friedrich Furbach den Pastor Wegener zu Jasenitz bestimmt.

Die hinterbliebene Gattin lebte noch mehrere Jahre in Ahlbeck, erst einige Jahre nach der Verheiratung ihrer jüngsten Tochter Alwine verkaufte sie ihre Besitzung an den emeritierten Pastor v. Schewen und zog mit der unverheiratet gebliebenen Tochter Antonie nach Uckermünde, woselbst sie am 28. 3. 1857 morgens 3 ½ Uhr nach achttägigem Leiden an gastrisch-nervösem Fieber verstarb. Sie wurde in Ahlbeck beerdigt.