Rückerinnerungen aus meinem früheren Leben weiter

Die Erfahrung, welche Personen höheren Alters so oft gemacht haben und welche auch so oft in Büchern ausgesprochen wird, dass man sich der früheren Jugend sogar der Kinderjahre deutlich erinnert, dagegen aus dem mittleren Lebensalter so manches verschwindet und kaum unvollkommen in das Gedächtnis zurückgerufen werden kann, bewährt sich auch bei mir. Szenen aus meinen Kinderjahren, Knaben und Mädchen, mit denen ich gespielt habe, und ältere Personen, welche sich mir durch irgend etwas merkwürdig gemacht haben, treten oft vor meinem Gedächtnis auf, so dass ich mir ihre Gestalt, ihre Reden, sogar ihre Kleidung lebhaft vorstellen kann. Da ich nun wohl bald das Ziel meines Lebens erreicht haben werde, will ich, wenn mir noch Leben und Gesundheit verliehen wird, einiges aus meinem früheren Leben für meine Kinder aufzeichnen, da sie es vielleicht gern einmal durchlesen und sich dabei ihres Vaters, der sie so unendlich geliebt hat, erinnern werden. Meine Kinder wissen ja überhaupt von meinen früheren Verhältnissen so wenig, da ich von meinen Eltern, zwar armen, aber ehrlichen Leuten, wenig mit Ihnen gesprochen habe, da deren eheliches Leben so oft durch Unfrieden getrübt wurde und ich daran nie gern zurückgedacht habe. Außer diesem ehelichen Unfrieden waren Sorge, Not und Kummer die steten Begleiter meiner Eltern, und meine Erziehung, so sehr sie sich derselben annahmen, gereichte oft zu ihrer Beunruhigung. Meine Kinder, so schwer es mir und der guten Mutter geworden ist, alles was zu ihrem Fortkommen erforderlich war, herbeizuschaffen, haben sich eines weit heitereren Lebens zu erfreuen gehabt und werden sich stets an ihre Kinder- und Jugendzeit mit Freude erinnern. Meine armen Eltern haben nicht einmal das Glück gehabt, mich in einer glücklichen Existenz zu sehen, da beide in den ersten Jahren meines Universitätslebens in der tiefsten Armut verstorben sind.